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Kordel und Textil

Gewebte, geflochtene oder geknotete Kordel: der Unterschied

Gewebe, Flechtungen und Makramee ordnen Stränge anders an und können in einem Band zusammenkommen. Unterscheide Kordel, Hauptband und Verschluss, lies Fotos mit Vorsicht und frage gezielt nach dem Aufbau.

Aktualisiert am 5 Min. Lesezeit

Die Begriffe „gewebt“, „geflochten“ und „geknotet“ beschreiben verschiedene Anordnungen von Strängen. Im Gewebe verschränken sich längs laufende Kettfäden und quer laufende Schussfäden. Bei Flechtungen kreuzen Stränge einander wiederholt und wechseln die Position. Geknotete Bänder wie Makramee bestehen aus Knotenfolgen. Ein Armband kann all das verbinden, weil Kordel, Hauptband und Verschluss unterschiedlich aufgebaut sein können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Gewebe verschränken sich längs laufende Kett- und quer laufende Schusselemente. Dichte Kettfäden können den Schuss verdecken.
  • Bei Flechtungen kreuzen sich Stränge wiederholt und wechseln die Position. Der Querschnitt kann rund, flach oder eckig sein.
  • Makramee baut ein Band aus wiederholten Knoteneinheiten auf. Das ist etwas anderes als schlichte Kordel mit einem Zierknoten.
  • An einem diagonalen oder winkelförmigen Farbmuster allein erkennst du nicht, ob das Band gewebt, geflochten oder geknüpft ist.
  • Ein aus geflochtener Kordel geknüpftes Armband ist beides. Kordel, Hauptband und Verschluss können anders aufgebaut sein.

Frage, welcher Teil beschrieben wird. Ein aus geflochtener Kordel geknüpftes Band ist auf verschiedenen Ebenen geflochten und geknotet. Unser Ratgeber zu Kordel- und Textilarmbändern behandelt die weiteren Materialien.

Die drei Strukturen im Überblick

Beginne mit dem langen Abschnitt ums Handgelenk und betrachte danach die einzelnen Kordeln und den Verschluss getrennt.

StrukturAufbau des HauptbandsWorauf du achtest
GewebtKett- und Schusselemente verschränken sich.Ein längs laufendes System wird von einem anderen gekreuzt. Eines kann das andere weitgehend verdecken.
GeflochtenStränge kreuzen sich in wiederkehrender Folge.Stränge verlaufen quer durchs Band oder um eine Kordel und bilden oft diagonale Wege.
GeknotetKordeln werden zu wiederkehrenden Knoten gebunden.Einzelne Knoteneinheiten mit vor dem Festziehen durch Schlaufen geführter Kordel.

Das sind Strukturhinweise, keine Qualitätsrangfolge. Ein diagonales Farbmuster allein klärt es nicht: Auch Knoten bilden Winkelmuster. Verschwinden die Stränge unter einer dichten Oberfläche, frage nach dem Aufbau oder einem Foto aus der Herstellung.

Gewebt: Kette und Schuss haben verschiedene Aufgaben

Denke an einen schmalen Stoffstreifen. Die Kette läuft längs, der Schuss quer. Bei der Leinwandbindung läuft der Schussfaden abwechselnd über und unter den aufeinanderfolgenden Kettfäden. Beim nächsten Durchgang ist die Reihenfolge umgekehrt. Das Textilglossar des George Washington University Museum und The Textile Museum erklärt diese Aufgaben und unterscheidet ausgeglichene, kett- und schussbetonte Leinwandbindung.

Das hilft am Armband: Dicht liegende Längsgarne können den Schuss verdecken. Verwirf „gewebt“ deshalb nicht allein, weil die Oberfläche keinem offenen Schachbrett ähnelt.

Auch muss nicht jedes Gewebe gerade Kreuzungen im deutlichen rechten Winkel zeigen. Der Konstruktionsratgeber des Textile Museum of Canada zeigt Drehergewebe, dessen Kettgarne sich kreuzen und zurückkreuzen, während der Schuss die Kreuzungen hält. Beispiele mit zusätzlichen Kett- und Schussfäden zeigen außerdem, wie Zierelemente das sichtbare Muster komplizierter machen. Der Grundaufbau zählt mehr als ein Oberflächenmotiv.

Frage beim schmalen Armband, ob ein gewebtes Band verwendet wird, ob die Kanten auf Breite gewebt oder geschnitten und versäubert wurden und wie das Band zum Verschluss übergeht. Das beschreibt den Aufbau, ohne eine Kantenbehandlung automatisch besser zu nennen.

Geflochten: Stränge folgen wiederholten Kreuzungen

Die vertraute Dreistrangflechtung ist ein Beispiel. Flechten erzeugt auch kompliziertere flache und runde Formen. Verfolge, wie ein Strang die anderen kreuzt und seine Position wechselt. Suche dabei nicht nach getrennten Kett- und Schussfäden wie bei einem Gewebe.

Das Kumihimo-Glossar des Nara National Museum beschreibt durch wiederholtes Verschlingen gefertigte Kordeln und unterscheidet runde, flache und quadratische Querschnitte. Flaches Band und runde Kordel können also geflochten sein. Die Form allein trennt Flechtung und Gewebe nicht.

Auf Armbandebene können mehrere fertige Kordeln zusammengeflochten werden. Auf Kordelebene bilden feine Garne womöglich schon vor dem Zusammensetzen eine Flechtung. Unterscheide diese Ebenen in der Produktbeschreibung: Band, einzelne Kordel und Enden müssen nicht gleich aufgebaut sein.

Bei Lederstreifen brauchen Material und Befestigung eine eigene Prüfung. Unser Ratgeber dazu, was eine Lederflechtung zusammenhält, betrachtet Stränge, fertige Enden und Beschläge genauer.

Geknotet: Wiederholte Knoten bilden das Muster

Makramee erzeugt Muster durch Verknoten von Kordeln. Das Textilvokabular des Getty Research Institute beschreibt es als Knotentechnik. Achte beim Kauf auf wiederholte Knoteneinheiten. Eine stoffartig wirkende Oberfläche muss nicht gewebt sein.

Ein dicht geknotetes Band kann aus der Ferne wie Stoff aussehen, seine Enden können anders aufgebaut sein. Ein winkelförmiges Farbmuster bestimmt allein weder Weben noch Flechten oder Knüpfen. Frage nach dem gemeinten Teil.

Unterscheide außerdem geknotete Bänder und einen einzelnen Zierknoten. Schlichte Kordel mit Mittelknoten hat ein Knotendetail. Ein Band aus wiederholten Knoten hat eine Knotenstruktur. Ein Schiebeknotenverschluss ist eine weitere eigene Funktion. Technik und Kaufbegriffe erklärt unser Ratgeber zu Makrameearmbändern.

Was du an zwei Produktfotos erkennen kannst

Das sind echte Produktfotos von Reynborg. Sie zeigen, warum ein vollständiges Armband mehrere Beschreibungen braucht. Keines der Fotos zeigt ein aus Makrameeknoten aufgebautes Band.

Reynborg Berlin Dark-Blue Kordelarmband mit blauen Akzenten und Schraubverschluss
Reynborg Berlin Dark-Blue. Produktfoto von Reynborg.

Der Shop beschreibt Berlin Dark-Blue als gewebte Kordel und nennt Nylon in den Produktangaben. Das Foto zeigt diagonales Verschlingen, blaue Wicklungen und einen Schraubverschluss. „Gewebte Kordel“ ist hier die Shopbeschreibung; das Bild belegt keine technische Kett-Schuss-Struktur. Eine Herstellungsansicht wäre nötig, um die Strangwege sicherer zu klären.

Reynborg Lisbon Black Armband aus geflochtenem Leder und Kordel mit Schraubverschluss
Reynborg Lisbon Black. Produktfoto von Reynborg.

Lisbon Black verbindet laut Produktdatensatz geflochtenes Leder und Nylonkordel. Sichtbar sind verschiedene Strangstrukturen, gewickelte Abschnitte und ein Schraubverschluss. Die Materialangaben stammen aus der Produktbeschreibung; an Farbe oder Glanz lassen sie sich nicht sicher erkennen. Auch die verdeckten Verbindungen, die Materialqualität, die Festigkeit und die Nutzungsdauer kannst du anhand dieser Bilder nicht beurteilen.

Das ganze Armband statt nur des Musters wählen

Die Namen der Techniken helfen dir, deine Vorlieben zu beschreiben. Wie fest, weich oder gut verarbeitet ein Armband ist, verraten sie allein aber nicht. Vergleiche tatsächliche Stücke anhand dieser Details:

  • Die Oberfläche am Handgelenk. Betrachte die Unterseite und die Zierseite. Entscheide, ob Struktur und erhöhte Knoten bequem sind.
  • Band und Verschluss zusammen. Prüfe Breite, Dicke, Verschlusssitz und Alltagstauglichkeit loser Enden. Auch flache Bänder können große Verschlüsse haben.
  • Die konkreten Materialien. Frage nach Faserzusammensetzung, Leder, Beschichtungen und Metallteilen. An der Anordnung der Stränge erkennst du nicht, aus welchen Fasern oder Materialien sie bestehen und ob sie beschichtet sind.
  • Die fertigen Enden. Frage nach der Befestigung am Verschluss oder dem Abschluss der losen Enden. Eine ordentliche äußere Wicklung erklärt die Verbindung darunter nicht.

Bediene den Verschluss normal, wenn du das Stück anfassen kannst. Ziehe nicht kräftig und öffne den Aufbau nicht zum Untersuchen. Bitte beim Onlinekauf um deutliche Fotos der Vorderseite, der Unterseite und der Enden. Frage zum Textil, welche Teile gewebt, geflochten oder geknotet sind, statt nur das ganze Band als „gewebt“ einzuordnen.

Nutze die Pflegehinweise fürs vollständige Band. Ein vertrautes Flecht- oder Knotenmuster erlaubt nicht automatisch Waschen, Schwimmen oder Hitzeversiegelung.

Quellen

  1. Textilglossar des George Washington University Museum und The Textile Museum museum.gwu.edu
  2. Konstruktionsratgeber des Textile Museum of Canada textilemuseum.ca
  3. Kumihimo-Glossar des Nara National Museum shosointen-glossary.narahaku.go.jp
  4. Textilvokabular des Getty Research Institute getty.edu